Depression und Manie

Die beiden Erkrankungsformen der Depression und der Manie werden unter dem Begriff der "Affektiven Störungen" zu einem Krankheitsbild zusammengefasst. Die bekanntere Form ist die Depression. Unter dieser Bezeichnung versteht man einen Gefühlszustand, der durch große Traurigkeit und Besorgnis gekennzeichnet ist. Der Betroffene fühlt sich wertlos und schuldig und zieht sich von anderen zurück. Weitere Anzeichen einer Depression sind Schlafstörungen, Mangel an Appetit und sexuellem Interesse. Generell ist eine Antriebs- und Interesselosigkeit zu beobachten.
Unter Manie versteht man einen Zustand intensiver aber unbegründet gehobener Stimmung. Diese äußert sich in übersteigerter (oft sinnloser) Aktivität, Rededrang, sprunghaftem Denken, Ablenkbarkeit und unrealistischen Plänen. Relativ selten tritt Manie alleine auf, meist wechseln sich manische und depressive Phasen ab. Diese Erkrankung wird als bipolare affektive Störung bezeichnet.

Grundlagen und Ursachen


Die Entstehung affektiver Störungen ist im Sinne einer anlagebedingten Verletzlichkeit zu verstehen, die von vielen weiteren äußeren Faktoren beeinflusst wird. Ob ein Lebensereignis eine Depression auslöst, hängt also von der individuellen Disposition ab.

Untersuchungen haben gezeigt, dass im Vorfeld von Depressionen gehäuft krisenhafte Ereignisse, wie der Verlust einer geliebten Person oder anhaltende Konflikte, aufgetreten waren. Diese Faktoren scheinen allerdings nicht ursächlich Depressionen auszulösen, sondern eher zu einer unspezifischen Stressreaktion zu führen, die sich in Depressionen äußern kann.
Die psychoanalytische Theorie der Depression geht davon aus, dass die Wurzel der Depression schon in der frühen Kindheit liegt. Wenn in der oralen Phase (etwa erstes Lebensjahr) die Bedürfnisse des Kindes unzureichend oder übermäßig befriedigt werden, führt das dazu, dass die Person auf dieser Entwicklungsstufe stehen bleibt. Dies äußert sich darin, dass das Selbstwertgefühl der Person in großem Ausmaß von anderen Menschen abhängt. Darüber hinaus nimmt Freud an, dass eine Person sich nach dem Verlust eines geliebten Menschen mit diesem Menschen identifiziert, um so den Verlust auszugleichen. Da man, nach Freud, denjenigen, die man liebt auch unbewusste negative Gefühle entgegenbringt, wird die Person nun selber Objekt dieser negativen Gefühle. Normalerweise gelingt es, sich in einer Phase von Trauerarbeit durch die Erinnerung an den Verstorbenen aus der Identifizierung zu lösen. Bei sehr abhängigen Personen aber misslingt diese Trauerarbeit. Sie können sich nicht lösen und bestrafen sich selbst für die Fehler des Verstorbenen, mit dem sie sich identifizieren. Das führt zu fortgesetzter Selbstbeschuldigung und Depression. In der psychoanalytischen Theorie ist mit dem Verlust eines geliebten Menschen allerdings nicht unbedingt dessen Tod gemeint, es kann sich auch um einen symbolischen Verlust wie z.B. die Zurückweisung durch einen Menschen oder den Verlust eines Partners handeln.
Eine weitere Theorie der Depression geht von der so genannten gelernten Hilflosigkeit aus. Durch Erfahrungen, in denen die Person bei dem Versuch, eine Situation zu kontrollieren, versagt hat, entsteht die Passivität der Depressiven, ihr Gefühl, unfähig zu sein, das eigene Leben zu meistern. Allein dieses Versagen führt aber noch nicht zu Depressionen. Es kommt darauf an, wie die Person ihr Verhalten erklärt. Hat eine Person beispielsweise in einer Prüfung versagt, kann sie verschiedene Gründe für dieses Versagen finden. Man kann sich entweder als zu dumm bezeichnen, erklären, die Prüfung sei unfair gewesen, oder sagen, man sei einfach zu müde gewesen. Depressive neigen dazu die Erklärung zu finden, die sie am schlechtesten dastehen lässt ("Ich bin zu dumm"). Darüber hinaus führen negative Ereignisse und ihre Erklärung dann dazu, dass auch für die Zukunft nur das schlechteste angenommen wird ("Da ich zu dumm bin, werde ich auch bei der nächsten Prüfung durchfallen.").
Weiter Faktoren für die Ursache sind:
Genetische Faktoren und Biologische Faktoren.

Symptomatik und klinische Untertypen

Bei den affektiven Erkrankungen werden aufgrund von Verlauf und Schweregrad der Störung verschiedene Formen unterschieden:
Depressive Episode
Hierbei handelt es sich um eine depressive Verstimmung, die meist mit Hemmung von Denken und Antrieb und Schlafstörungen einher geht. Das Ausmaß reicht von leicht gedrückter Stimmung bis zu einem schwermütigen "Gefühl der Gefühllosigkeit". Oft herrschen quälende Angst und innere Unruhe. Der Depressive erlebt die Umwelt als grau, häufig kommt es zu sozialem Rückzug. Das Selbstmordrisiko ist bei dieser Erkrankung sehr hoch, 40 - 80% der Patienten haben Selbstmordgedanken. Äußerlich ist bei Depressiven häufig mangelnde Mimik und Gestik und eine leise, zögernde Stimme zu bemerken. Aufgrund des Erscheinungsbildes unterscheidet man folgende Untertypen:
• Gehemmte Depression: Diese Form ist gekennzeichnet durch reduzierte Aktivität, bis hin zur Bewegungslosigkeit.
• Agitierte Depression: Sie zeichnet sich durch ängstliche Getriebenheit, Bewegungsunruhe und unproduktive Hektik aus.
• Larvierte Depression: Bei dieser Erscheinungsformen stehen körperliche Beschwerden (z.B. Schwindel, Kopfdruck) im Vordergrund.
• Psychotische Depression: Hierbei treten Wahnideen und Halluzinationen auf.

Dysthymia
Bei dieser Störung handelt es sich um eine chronische depressive Verstimmung leichten Grades. Zwar klagt der Betroffene über Müdigkeit, Unzulänglichkeit, Anstrengung, Schlafstörungen und den Verlust der Genussfähigkeit, ist aber in der Regel fähig, mit dem Alltag zurechtzukommen. Diese Form beginnt meist im frühen Erwachsenenalter. Folgende Sonderformen lassen sich unterscheiden:
• Spätdepression: Sie tritt nach dem 45. Lebensjahr auf, das Selbstmordrisiko ist besonders hoch.
• Altersdepression: Die Ersterkrankung liegt nach dem 60. Lebensjahr.
• Wochenbettdepression: Nach der Geburt eines Kindes verfällt die Mutter in eine depressive Stimmung.
• Erschöpfungsdepression: Sie tritt auf nach einer Dauerbelastung oder wiederholten schweren Schicksalsschlägen.

Manie
Diese affektive Störung ist durch folgende Symptome gekennzeichnet: unangemessen gehobene Stimmung, Antriebssteigerung, beschleunigtes Denken und Selbstüberschätzung (bis hin zum Größenwahn). Häufig treten im Zusammenhang mit der Manie leichtsinnige Geldausgabe und sexuelle Enthemmung auf, was zu schweren familiären, finanziellen und gesundheitlichen Folgen führen kann. Dem Betroffenen fehlt die Krankheitseinsicht, was eine Zwangseinweisung notwendig machen kann.

Zyklothymia (bipolare affektive Störung)
Dabei handelt es sich um eine anhaltende Störung, die im frühen Erwachsenenalter beginnt und chronisch verläuft. Es handelt sich um eine Instabilität der Stimmung mit zahlreichen Perioden leichter Depression und leicht gehobener Stimmung. Die Stimmungschwankungen stehen meist nicht im Zusammenhang mit Lebensereignissen. Sehr selten treten depressive und manische Symptome gleichzeitig auf, wie etwa depressive Stimmung mit Rededrang. Man spricht dann von einer gemischten Episode einer bipolaren affektiven Störung.

Therapie


Die Behandlung erfolgt in erster Linie mit antidepressiven Medikamenten, wobei entsprechend den vorherrschenden Symptomen und der Verträglichkeit das geeignete Mittel aus der großen Gruppe der Antidepressiva gewählt werden muss. Ergänzend helfen Psychotherapie, in manchen Fällen auch Lichttherapie oder Schlafentzug und Beschäftigungs- oder Arbeitstherapie. Insgesamt dauern die depressiven Phasen mehrere Monate und werden von beschwerdefreien oder manischen Phasen abgelöst. Bei der unipolaren Depression ist mit etwa vier Erkrankungsphasen im Leben zu rechnen. 10-15% der Betroffenen versterben an Selbstmord.


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