Kinder und ihr Erleben in der Trennungsphase der Eltern

 

Eine Trennung der Eltern stellt immer eine Erschütterung des seelischen Gleichgewichtes des Kindes dar. Aber es gibt Möglichkeiten, die Erschütterung zu bewältigen und das Gleichgewicht wieder herzustellen. Voraussetzungen sind dafür:

• Verständnis
• Ehrlichkeit der Eltern
• Zuverlässigkeit
• Verlässlichkeit
• Zuwendung beider Elternteile

Kinder spüren wie es ihren Eltern geht. Man kann Kindern nichts vormachen, aber man kann sie sehr verwirren, wenn man so tut, als wären sie dumm und unwissend. Kinder leiden darunter, wenn sie belogen werden, auch dann, wenn die Eltern meinen, dass sie die Wahrheit nicht vertragen, oder noch nicht zu wissen brauchen, weil sie noch zu klein sind. Kinder sind nie zu klein für die Wahrheit, wenn die passenden Worte gefunden werden. Denn dann spüren Kinder, dass sie in ihrem Schmerz ernst genommen werden.
Kinder müssen immer wieder erfahren (hören), dass die Trennung der Eltern eine Sache der Erwachsenen ist, von der sie zwar mitberührt sind, an der sie aber keine Schuld tragen. Zugleich müssen die Kinder erfahren (hören), dass die Trennung der Eltern an ihrer Liebe zu den Kindern nichts ändert.
Schwierigkeiten in der Schule sind nicht auszuschließen. Sie zeigen dort auffallende Affekt- und Verhaltensänderung. Ihren Leidensdruck können sie zu Hause kaum oder nur in verschlüsselter Form erkennen lassen.
An der Veränderung im Schul- und Lernverhalten lässt sich also ablesen, wie es innerlich um diese Kinder steht. Außerdem lassen sich teilweise Rückschlüsse ziehen, wie sich Kinder im Klassenverband einfügen.
Ein Kind, das unter Leidensdruck steht, kann sich nicht mehr gut an die Spielregeln der Schule halten, ganz gleich ob es um Lernvorgänge oder um Sozialkontakte zu den Mitschülern geht.
Es ist weniger die Trennung an sich, die das Kind leiden und versagen lässt. Es ist vielmehr Art und Dauer, wie Eltern vor und nach der Scheidung miteinander und mit dem Kind umgehen – ob destruktiv und bedrückend oder konstruktiv und einfühlsam.
Kinder in Belastungssituationen brauchen mehr Zuwendung. Auch der Umstand, den anderen Elternteil nicht mehr im gleichen Maße um sich zu haben, spielt eine Rolle.
Vielfach aber haben die mit dem Kind lebenden Elternteile einfach nicht die Kraft, ihrem Kind das notwendige Mehr an Zuwendung und Einfühlungsvermögen zu geben. Sie sind oft nicht in der Lage, die Bedürfnisse ihrer Kinder auch nur wahrzunehmen oder gar nach Ursachen zu suchen und Hilfen anzubieten. Die Ursache für Leistungsabfall oder Außenseiterverhalten in der Klasse liegen sicher im Leidensdruck.

Auszug eines Elternteils

Der Auszug eines Elternteils leitet den Alltag. Ein Alltag, der die Kinder zunächst verunsichern lässt. Der Auszug eines Elternteils bewirkt in dem Kind eine gravierende Erschütterung seines Lebens- und Weltbildes.
Ein Kind, das sich mit seinen Eltern in einer Vortrennungsphase befindet, erlebt, dass die Basis brüchig geworden ist.
Das Kind braucht viel Zeit, Verständnis und Pflege, um wieder stabilisiert zu werden.
Für ein Kind hat jede grundlegende Veränderung der Lebensverhältnisse etwas Bedrohliches. Vor allem, weil das Kind auch spürt, dass es auf kommende Geschehnisse kaum Einfluss hat. Kinder haben große Sorge im Zusammenhang mit Trennung und stellen darauf viele Fragen. Diese sind wichtige ernstzunehmende Sorgen eines Kindes, die unbedingt mit dem notwendigen Respekt und Ernst beantwortet werden müssen.
Manchmal haben Kinder auch Angst, nun noch den anderen Elternteil zu verlieren. Kinder erleben den Auszug eines Elternteils als Verlust. Dies löst eine tiefe Verunsicherung aus und die Erkenntnis der Vergänglichkeit von Liebe und Zuneigung. Nach der schockierenden Erfahrung folgt längere Zeit die Verunsicherung, ob denn der bleibende Elternteil tatsächlich auch bleibt.
Manche Kinder zeigen Auffälligkeiten, manche Kinder werden stiller und sind auch deshalb meist gefährdeter, weil ihre Not nicht erkannt werden kann.
Es ist daher absolut falsch, anzunehmen, ein Kind hätte die Trennung der Eltern gut überstanden, wenn es kaum Reaktion darauf zeigt. Bleiben sichtbare Reaktionen aus, so hat dies in den meisten Fällen schwerwiegende Folgen für die weitere Bewältigung der seelischen Krise dieser Kinder.

Das beste Wohl der Kinder

Auf keinen Fall dürfen die Eltern die Verantwortung bei Entscheidungen auf die Kinder übertragen.
Fragen wie: „ Wo willst du lieber leben, bei Mama oder Papa?“ bringen die Kinder in starke Gewissens- und Loyalitätskonflikte.
Es ist für ein Kind, dessen Eltern sich scheiden lassen, von enormer Bedeutung, dass es, wenn immer möglich, in seinem bisherigen Umfeld bleiben kann.
Das bedeutet, dass es weder die Wohnung, die Stadt, noch die Schule wechseln muss, dass es seine Freunde behalten kann, in seinen Sportverein weitergehen kann usw. Kinder brauchen ganz viel Stabilität und Sicherheit. Sie sind häufig viel weniger sprunghaft, als Eltern glauben. Kinder, deren Eltern sich trennen, brauchen einen sicheren Boden.
Wenn es dabei auch noch beiden Elternteilen gelingt, Eltern zu bleiben mit all dem, was Elternschaft bedeutet, also ihre Elternbeziehung zum Kind aufrechtzuerhalten, geben sie ihrem Kind eine größere Chance für günstige Entwicklungsbedingungen nach der Trennung/Auszug.
Die emotionale Stabilität eines Kindes hängt ganz entscheidend vom ständigen, dauerhaften Kontakt zu beiden Eltern ab.
Scheidungskinder, die guten und regelmäßigen Kontakt zu dem Elternteil haben, mit dem sie nicht zusammenleben, verfügen über ein deutlich höheres Selbstbewusstsein als Kinder, die nur sporadisch den Vater/ die Mutter sehen.
Kinder, die unregelmäßigen oder stark beeinträchtigen Kontakt haben, haben das Gefühl, nicht wichtig zu sein, nicht erwünscht zu sein. Sie sind verunsichert, gekränkt und in der gesamten Sozialentwicklung reifungsverzögert.
Viele Kinder schämen sich, wenn ihre Eltern sich trennen.

Die Besucherregelung

Besser als seltene, lange Besuche sind oft kürzere, aber häufigere Treffen. Der abwesende Elternteil erhält so einen besseren Einblick in den Alltag der Kinder.
Sind die Kinder älter, sollten sie über die Dauer des Aufenthalts mitbestimmen dürfen.
Die Kinder sollten im Mittelpunkt der Besuchszeit stehen. Die Eltern sollten versuchen die Wünsche ihrer Kinder herauszufinden und sich nach diesen richten. Es müssen nicht immer ganz besondere Unternehmungen sein, wichtig ist, dass Kinder spüren, dass sie ihren Eltern wichtig sind.

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