Paar und Familienberatung
Wie läuft eine Paartherapie in einer Praxis ab?
Der Paartherapeut leitet das Gespräch zwischen dem Paar und achtet darauf,
dass beide Partner zum Zug kommen.
Dieses Engagement sollte sich jedoch nicht unbedingt in der Lautstärke
oder in vielem Reden zeigen, jedoch in aufmerksames Zuhören. Das kann
bedeuten, dass der Therapeut den Vielredner unterbricht, den Schweiger ins
Gespräch zu ziehen versucht, den Ängstlichen ermutigt, denjenigen
der sich vordrängt, etwas zurückweist, den Entmachteten stützt,
den Aufschneider in seine Grenzen verweist.
Das Paar unterhält sich über sein Problem, dabei motiviert der Therapeut
über Bedürfnisse, Wünsche, Ängste, Ärger und Enttäuschung,
Hoffnung und Liebe zu sprechen und hilft bei dem Aufbau eines neuen Verständnisses
für einander.
Wenn jemandem klar gesagt werden kann, was er tun kann, um einen unangenehmen
Zustand zu beenden, ist er auch motiviert, diesen Weg zu gehen.
Eine verantwortungsvolle Beratung
Eine verantwortungsvolle Beratung darf sich nicht allein auf persönliche
Erfahrung, Intuition, eigene Wertsysteme etc. verlassen. Wegen der blinden
Flecken des Therapeuten und eigener Fehleranfälligkeit in der klinischen
Urteilsbildung wäre es eine grandiose Selbstüberschätzung,
ausschließlich auf der Basis privater und beruflicher Lebenserfahrung
und Intuition tätig sein zu wollen.
Therapie verlangt eine ständige Reflexion der therapeutischen Maßnahmen
und der Therapieziele hinsichtlich ihrer Angemessenheit für den augenblicklichen
Zustand des Ratsuchenden.
Entscheidend für ein gutes Therapieergebnis ist, dass der Klient seinen
Therapeuten als ihn unterstützend, aufbauend, in seinem Selbstwert positiv
bestätigend erlebt.
Basis jeder Beratung ist das Bemühen, den Sinn im Chaos eines Paares
zu entdecken. Dieser gemeinsame Entdeckungsprozess bezieht sich auf die Entstehungsgeschichte
der Beziehung des Paares, versucht sein ursprüngliches gemeinsames Ziel
herauszufinden, die Konfliktlage zu überprüfen und nach Veränderung
und Verbesserung zu suchen.
Hoffnung auf Verbesserung und Erfolg kann entstehen, wenn im Erstkontakt für
den Klienten deutlich wird, dass der Berater in seinen Augen kompetent ist
und klare Vorstellungen über das Behandlungsvorgehen hat.
Was kann das Ziel einer Therapie sein?
• Sie sollen autonome Partner werden, sollen lernen, zunächst
einmal für ihr Glück selbst verantwortlich zu sein, und in die Lage
kommen, ihre eigenen Probleme nicht an den Partner zu delegieren, sondern
sie, ganz im Sinne eines Selbstmanagements, selbst zu lösen.
• Sich Sorgen und Ängste von der Seele reden.
• Neue Lösungsmöglichkeiten finden, sich danach besser und
freier fühlen.
• Die eigenen Energien wiederfinden.
• Anstatt Störungen oder Probleme anzusprechen, kann der Therapeut
auch fragen: Was möchten sie ändern? Damit lenkt man bereits auf
das Ziel der Therapie hin, das darin besteht, Veränderungen zu erreichen.
Wie lange dauert eine Paartherapie?
Die Länge der Therapie richtet sich nach der Problemschwere und den Zielen,
die beide Partner erreichen möchten. Manchmal reicht ein Gespräch
zur Orientierung, manchmal braucht der Klärungsprozess einen Monat oder
auch längere Zeit. Verschiedene Möglichkeiten kann man dazu nutzen
wie Einzeltherapie, Paartherapie, Gruppenangebote oder Workshops.
Übertragungs- und Gegenübertragungsproblem
Übertragung und Gegenübertragung gehen auf Freud zurück, der
sich dabei auf seine in der analytischen Zweierbeziehung gemachten Beobachtungen
bezog. Bei der Betrachtung von Familienbeziehungen erweitert und verändert
sich der analytische Übertragungsbegriff (Stierlin, 1977). Wichtig ist
die Unterscheidung zwischen transfamilärer und intrafamilärer Übertragung.
Eine transfamiläre Übertragung liegt vor, wenn Verhaltensmuster,
Phantasien, Einstellungen, Erwartungen, Wahrnehmungen usw., die sog. Gegebenheiten
der Übertragung, die sich in den nahen Beziehungen zur Herkunftsfamilie,
insbesondere zu den Eltern etabliert haben, in unangemessener Weise auf Außenstehende,
d. h. nicht der Herkunftsfamilie angehörende Personen übertragen
werden. Eine Spielart davon ist die Übertragung auf den Analytiker bzw.
Therapeuten.
Intrafamiläre Übertragung dagegen liegt vor, wenn die Übertragungsgegebenheiten
in unangemessener Weise innerhalb der Familie transferiert werden.
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