Schizophrenie
Die schizophrenen Erkrankungen gehören zur Hauptgruppe der endogenen
Psychosen, bei denen davon ausgegangen wird, dass anlagebedingte, also erbliche
Faktoren zur Verursachung beitragen. Unter Psychose versteht man eine psychische
Störung, die durch den grundlegenden Wandel des eigenen Erlebens und
des Außenbezugs charakterisiert ist. Dabei unterliegt die Persönlichkeit
dieser Menschen einer völligen Fremdsteuerung.
In den Medien wird Schizophrenie häufig mit der Multiplen Persönlichkeitsstörung
verwechselt. Bei dieser Erkrankung existieren zwei oder mehr verschiedene
Persönlichkeiten innerhalb eines Individuums.
Bei der Verursachung von Schizophrenie wird von einem Zusammenwirken unterschiedlicher
Faktoren ausgegangen, wobei angenommen wird, dass die genetische Veranlagung
(Disposition) eine zentrale Rolle spielt.
Symptomatik und klinische Untertypen
Es gibt keine Symptome, die nur bei Schizophrenie auftreten. Alle Symptome
können für sich allein genommen auch bei vielen anderen Erkrankungen
auftreten, es können aber folgende charakteristische Symptombereiche
genannt werden:
Wahn
Beim Wahn handelt es sich um eine nichtkorrigierbare falsche Beurteilung der
Realität. Häufige Wahnvorstellungen bei Schizophrenen sind Verfolgungs-
und Beziehungsideen, dabei wird das Verhalten anderer vom Patienten wahnhaft
auf sich selbst bezogen. Der Wahn kann sich sowohl ohne, als auch mit Bezugnahme
auf äußere Wahrnehmungen äußern.
Halluzinationen
Hierunter versteht man eine Sinneswahrnehmung, die für einen wirklichen
Sinneseindruck gehalten wird, obwohl der entsprechende reale Sinnesreiz nicht
vorhanden ist. Diese Sinnestäuschung kann alle Sinnesorgane betreffen,
wobei akustische Halluzinationen am typischsten für Schizophrenie sind.
Am häufigsten hören Schizophrene Befehle erteilende und sich über
ihn unterhaltende fremde Stimmen.
Ich-Störungen
Dieses Symptom ist dadurch charakterisiert, dass die Grenzen zwischen Ich
und Umwelt als durchlässig empfunden werden. Dabei werden häufig
die eigene Person (Körper, Gefühle, Gedanken) oder die Umwelt als
fremdartig erlebt. Es kann zu einem Gefühl der Fremdbeeinflussung oder
Gedankeneingebung von außen kommen, auch kann der Patient das Gefühl
haben, dass seine Gedanken mitgehört oder ihm entzogen werden. Dabei
lebt der Kranke zugleich in einer wirklichen und in einer wahnhaften Welt,
wobei es immer mehr zu einer Abkapselung von der realen Welt kommt.
Formale Denkstörungen
Hierbei handelt es sich um eine Verzerrung des Denkablaufs. Es kommt zur Verschmelzung
verwandter Wörter zu einem Begriff, zu teilweise absurden Wortneuschöpfungen,
Zerfahrenheit mit sprunghaften und unlogischen Gedankengängen oder zum
plötzlichen Abbruch eines Gedankenganges ohne erkennbaren Grund.
Affektive Störungen
Typischerweise ist bei Schizophrenen der emotionale Kontakt zu anderen Menschen
reduziert. Es kann zu Situationen nicht angemessenen Gefühlsäußerungen
oder mimischen Reaktionen kommen. Häufig ist bei Patienten eine leere
also grundlose Heiterkeit zu beobachten. Unvereinbare Gefühlszustände
und Wünsche können nebeneinander stehen. Insbesondere beim Bestehenbleiben
einer Restsymptomatik nach Abklingen der akuten Erkrankung kommt es zu erheblicher
gefühlsmäßiger Verarmung.
Psychomotorische Störungen
Bei schizophrenen Patienten zeigen sich häufig eine Bewegungslosigkeit
bei vollerhaltenem Bewusstsein oder eine starke motorische Unruhe, häufig
mit sich wiederholenden stereotypen Bewegungen. Auch die Kooperationsfähigkeit
ist z.T. verändert; so macht der Patient oft automatisch das Gegenteil
des Verlangten oder führt es automatenhaft aus.
Üblicherweise wird die Vielzahl von Symptomen nach Positivsymptomatik
und Negativsymptomatik unterteilt. Dabei versteht man unter Positivsymptomatik
Verhaltensmerkmale die über das Verhalten von Gesunden hinausgehen. Zu
diesen, auch "produktiv" genannten Symptomen gehören Halluzinationen
und Wahn. Von Negativsymptomatik spricht man dagegen, wenn das Verhalten im
Vergleich zum Gesunden Defizite aufweist. Typisch sind hier Antriebsmangel
und Affektarmut.
Je nach Ausprägung bestimmter Symptome unterscheidet man folgende Untertypen:
• Paranoid-halluzinatorische Form: Wahn und Halluzinationen prägen
das Bild des Erkrankten, am häufigsten tritt dieser Subtyp im 4. Lebensjahrzehnt
auf.
• Katatone Form: Vorherrschen der psychomotorischen Störungen.
• Hebephrene Form: Affektstörungen stehen im Vordergrund, die Ersterkrankung
liegt meist im Jugendalter.
• Residuale Form: Besonders auffällig ist eine Persönlichkeitsänderung
im Sinne von Antriebsmangel, Affektarmut und sozialem Rückzug.
• Schizophrenia simplex: Symptomarme Form, in der vor allem die produktiven
Symptome fehlen und es allmählich zu einem durch Negativsymptomatik geprägten
Bild (Residualsyndrom) kommt.
Verlauf
Bevor es zum Ausbruch charakteristischer Symptome kommt, kann ein Wochen bis
Monate dauerndes Prodomalstadium auftreten, das z.B. durch depressive Stimmungen
geprägt sein kann. Die Krankheit verläuft in Schüben, es kann
nach einer oder mehreren Krankheitsphasen unter Umständen zu einer chronischen
Restsymptomatik kommen, häufig folgt aber auch nach akuten Krankheitsmanifestationen
Symptomfreiheit. In sehr seltenen Fällen bleibt die produktiv-schizophrene
Symptomatik chronisch bestehen, meist aber kommt es zu Residualzuständen,
die durch Negativsymptomatik geprägt sind. Während der akuten Erkrankung,
aber auch in der Remission und im Residualzustand können Krisen mit Selbstmordgedanken
auftreten. Leider kommen derartige Gedanken häufiger auch zur Ausführung!
Nach akuten Schüben kann es zu postremissiven Zuständen kommen,
die insbesondere durch depressive Verstimmung und Erschöpfung charakterisiert
sind, aber nach einiger Zeit abklingen.
Therapie
Aufgrund der Tatsache, dass an der Entstehung der Schizophrenie vielfältige
Faktoren beteiligt sind, wird auch bei ihrer Behandlung ein so genannter mehrdimensionaler
Therapieansatz praktiziert, der aus einer Kombination psychopharmakologischer,
psycho- und sozialtherapeutischer Maßnahmen besteht. Oft wird die Durchführung
der Therapie, speziell im akuten Stadium der Erkrankung, durch mangelnde Krankheitseinsicht
des Patienten und fehlende Einsicht in die Therapiebedürftigkeit behindert.
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