Tics

 

Zu den wichtigsten und häufigsten Tics (Gilles-de-la-Tourette-Syndrom) gehören: Nägelkauen , zwanghaftes Haareausreißen , nervöses Zucken mit dem Kopf und/oder den Schultern , Schulterziehen, Knacken mit den Fingern, Pusten, Klopfbewegungen, Blinzeln, Räuspern, Schnüffeln, von innen in die Wange beißen, Zupfen an Augenbrauen, Beugen von Arm und Bein, Wippen mit den Beinen, Wedeln mit den Händen und andere ähnliche nervöse Verhaltensweisen. Tics äußern sich eher in der oberen Körperhälfte. Die betroffenen Körperregionen nehmen nach unten hin ab. Tics können sich in Geräuschen oder motorischen Bewegungen äußern. Betroffen sind bestimmte Muskelgruppen, von denen die Bewegungen ausgehen.
Diese tic-haften Verhaltensweisen werden in der Regel nicht bewusst ausgeführt und sind daher auch nicht einfach an- oder abzustellen.
Tic-hafte Verhaltensweisen sind normalerweise an irgendwelche Situationen gebunden, fachlich gesprochen: sie haben bestimmte Auslöser.

Auftreten von Tics

Manchmal treten Tics einfach völlig losgelöst von anderen Problemen auf. Oft ist aber eine andere Grundstörung herauszufinden: Meistens gelingt es den betroffenen Personen nicht, in Problemsituationen oder herausfordernden Situationen oder Stresssituationen sich körperlich, gedanklich oder gefühlsmäßig adäquat zu verhalten. Sie stehen unter Spannung und versuchen, durch bestimmte Aktivitäten und Verhalten in sozialen Situationen/Stresssituationen angemessen zu reagieren. Für Kinder können dies Situationen sein, in denen sie

• Probleme mit ihren Eltern haben,
• in der Schule überfordert sind,
• keine sozialen Kontakte in der Schule bekommen usw.

Tics treten häufig in Kombination mit anderen psychischen Symptomen auf, z. B. Angst, depressive Verstimmungen, zwanghafte Symptome, aggressive Störungen, Wutausbrüche, Ungehorsam.
Tics können für die betroffene Person (die sie ausübt) manchmal sehr belastend und einschränkend sein, manchmal werden sie aber auch gar nicht wahrgenommen. Belastend sind sie häufig für die Mitmenschen, die die Tics ertragen müssen. Tics müssen abgegrenzt werden von Zwängen.
Unter den psychologischen Ursachen können Tics als symbolischer Ausdruck von Konflikten verstanden werden.

 

Lösungen

Aufklärung und Beratung der betroffenen Personen oder deren Bezugspersonen. Ziel dieser Beratung ist es dann, mögliche Spannungen herauszufinden, Verständnis für die Symptomatik des Tics zu vermitteln und konkrete Hilfe für den Abbau der Tics anzubieten.
In der Regel dauern Tics lediglich Tage, Wochen oder einige Monate an.
Sollte das Tic-Verhalten dazu nützlich sein, Spannungen abzubauen, sich von belastenden Situationen abzulenken, Probleme nicht aushalten zu können, muss zunächst bei den Spannungen und den Problemen angesetzt werden. Selbstkontrolle zu gewinnen, die Probleme anzunehmen und andere Wege als das Tic-Verhalten zu finden, um die Spannungen nicht nur vorübergehend sondern endgültig abzubauen.
Es sollte zunächst akzeptiert werden, dass die Tics da sind und einen Grund haben. Tics lassen sich nicht einfach abstellen oder gewaltvoll verändern.

Die Methode der konkurrierenden Verhaltensweisen
Ist der Tic zunächst vorhanden, akzeptiert worden, ist er in seinem Auftreten und seinen Auslösern beobachtet worden, kann der nächste Punkt eingeführt werden. Eine sogenannte konkurrierende Verhaltensweise, die genau das Gegenteil vom Tic-Verhalten bewirkt, ist zu überlegen und einzutrainieren. So können z. B. Muskelpartien angespannt werden, die das Tic-Verhalten unmöglich machen z. B.

• statt Nägelkauen die Hände zu Fäusten ballen,
• statt Schulterzucken die Schultern herunterziehen,
• statt Haar auszupfen die Hand zum Knie führen,
• das Ergreifen und Halten eines Objektes, um die Hände nicht für andere Tätigkeiten frei zu haben.

Die sogenannten mit dem Tic konkurrierenden Verhaltensweisen müssen zunächst eingeübt werden, unabhängig vom Tic.
Wenn das alternative Verhalten richtig verinnerlicht ist, muss es regelmäßig durchgeführt werden. Diese Durchführung muss häufiger sein als das Tic-Verhalten selbst. Durch die Konzentration auf die Gegenbewegung wird der Tic, der ja eher unbewusst auftritt, immer weniger praktiziert werden können.
Für Erfolge sollte man sich ganz bewusst selbst loben. Kinder sollten für den regelmäßigen Einsatz der konkurrierenden Verhaltensweise von ihren Eltern gelobt werden. Gelobt wird jede Anstrengung, nicht erst der perfekte Erfolg. Die Ansprüche sollten schrittweise gesteigert werden.
Die Übungen sollten möglichst in allen relevanten Alltagssituationen durchgeführt werden. Dabei sollten die Situationen, in denen das Tic-Verhalten häufig auftritt, ganz konkret bewusst gemacht werden.

In manchen Fällen hat sich auch ein Entspannungstraining bewährt.

Folgende Schritte sind also von Bedeutung:

• Genaues Beobachten und Protokollieren des Tics
• Aussuchen und Erlernen mit dem Tic nicht zu vereinbarender (konkurrierender) Verhaltensweisen
• Im Alltag werden die konkurrierenden Verhaltensweisen häufiger als der Tic eingesetzt
• Belohnen von Erfolgen
• Parallel: ggf. Abbau von Spannungszuständen
• Entspannungsverfahren

Die eben beschriebene Methode ist eine sehr effektive Methode aus der Verhaltenstherapie und benötigt nur wenige Therapiesitzungen.

Die Methode der Verhaltenssättigung oder der negativen Praxis
Eine andere Methode zum Abbau von Tics besteht darin, das Tic-Verhalten bewusst und ganz häufig durchzuführen (negative Praxis). Auch hier ist es wichtig, das symptomatische Tic-Verhalten öfter bewusst durchzuführen, als es in der Realität und normal unbewusst auftritt. Diese Verfahrensweise ist auch unter dem Begriff Symptomverschreibung oder der Verhaltenssättigung bekannt. Das Problemverhalten (hier:Tic) wird nicht mehr als unabdingbar gesehen, und durch die bewusste Ausführung wird das Problemverhalten (Tic) seltener.
Eltern können auch insofern auf das Tic-Verhalten ihres Kindes Einfluss nehmen, als sie es nicht mehr beachten. Die häufige Zuwendung (auch wenn geschimpft wird), wenn das Kind sein Tic-Verhalten zeigt, kann die Häufigkeit des Auftretens eher verstärken. Das Tic-Verhalten zu ignorieren und den Moment, in dem kein Tic gezeigt wird durch Zuwendung zu verstärken, ist sicherlich schwer aber für das Kind und seine Umgebung ein möglicher erster Schritt auf dem Wege der Verhaltensveränderung.

Medikamentenbehandlung Dopaminantagonisten (Neuroleptika)
Motorische und Vokale Tics stellen die Kernsymptome dar. Eine medikamentöse Therapie sollte dann erfolgen, wenn Tics stark ausgeprägt sind, wenn einzelne Tics sehr störend sind (Aussprechen obszöner Wörter), wenn Komplikationen drohen (Selbstverletzung) und bei deutlicher subjektiver Belastung.
Als Substanzen der 1. Wahl gelten verschiedene Neuroleptika (sogenannte Dopaminblocker oder Dopaminantagonisten).
Die Behandlung sollte mit Berücksichtigung auf Alter und Körpergewicht niedrig dosiert beginnen.
Die Nebenwirkungen bei Dopaminantagonisten wie Müdigkeit, Schwindel, Antriebsarmut, Konzentrationsminderung, Appetitsteigerung, muss genau beobachtet werden und ggf. eine Änderung der Dosierung oder Medikament durchgeführt werden.

Viele Tics sind relativ unproblematisch und erregen wenig Aufmerksamkeit bei anderen.
Tics sind nur dann veränderbar, wenn bei der betroffenen Person wirklich eine Motivation besteht, von dem Tic-Verhalten loszukommen

Im Internationale Classification of Disease 10 (ICD 10) unterscheiden wir Ticstörungen F95 wie folgt

• F95.0 vorübergehende Ticstörung
• F95.1 chronische motorische oder vokale Ticstörung
• F95.2 kombinierte, vokale und multiple motorische Tics (Tourette-Syndrom)


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