Wenn Eltern sich trennen, geschieht es weder unvermittelt noch kurzfristig. Immer handelt es sich um einen schmerzhaften Prozess der Loslösung, der vielfach auf Umwegen und über Jahre hinweg abläuft. Der Antrieb zur Trennung ist vielschichtig und den Paaren so wenig voll bewusst wie einst die Motivation zur Partnerschaft. Nur selten ist man bereit, Ursachen für das Scheitern der Beziehung auch sich selbst zuzuweisen. Eine Zusammenstellung dieser subjektiv als vorrangig erlebten Trennungsgründe nimmt sich etwa folgendermaßen aus:
• Verlagerung der emotionalen und sexuellen Interessen auf Personen
außerhalb der Partnerschaft.
• Charakterliche Unverträglichkeit der Partner.
• Konfliktbewirkendes oder neurotisches Fehlerverhalten eines Partners.
• Alkoholismus oder andere Formen der Sucht
• Überfordernde Katastrophen. Totgeburten, behinderte Kinder u.
ä.
• Kommunikationsstörungen zwischen den Partnern und die Unfähigkeit,
auftretende Probleme gemeinsam zu bearbeiten.
Dies sind keine grundsätzlichen Trennungsgründe. Es sind vordergründige
Konfliktbereiche, denen eine Paarbeziehung gewachsen ist oder nicht. Ist sie
ihnen gewachsen, so handelt es sich allenfalls um eine Ehe-/Paarkrise. Ist
dies nicht der Fall, so beginnt die Vorgeschichte der Trennung.
Für die Kinder bedeutet dies die Auslieferung an bisher ungewohnte Beziehungsmuster
ihrer Eltern. Ihr Verhalten ist oft derart verändert, dass selbst kleine
Kinder die Belastung ihrer Eltern wahrnehmen können.
Trennungskrise
Wie lange eine Trennungsphase anhält richtet sich nach der Zeitspanne,
die mit dem Partner verbracht wurde und nach der Intensität der Bindung.
Partner die ein Jahr zusammengelebt haben, werden eine kürzere Trennungskrise
durchlaufen als Partner, die einige Jahre miteinander verbracht haben. Die
längste Trennungskrise erleben wahrscheinlich Paare, die bereits Kinder
haben und sich nach zwanzig oder mehr Jahren trennen.
Wichtig ist, dass man nach dem anfänglichen Schock das Alltagsleben wieder
aufnimmt, während die Wunden ausheilen. Viele sind nach einer Trennung
nicht in der Lage, ihren täglichen Verpflichtungen nachzukommen und haben
das Gefühl, sich emotional aufzulösen. Sie können sich nicht
konzentrieren, finden keinen Schlaf und geben sich einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit
hin. Diese anfängliche Unfähigkeit, den täglichen Pflichten
nachzukommen, ist eine ganz normale Reaktion auf Schock und Kummer.
Die Symptome einer Trennungskrise entwickeln sich nach einem festen Muster,
das aus sechs Phasen besteht:
Schockzustand, Kummer, Schuldzuweisung, Verzicht, Reorganisation und Loslösung.
Einige durchlaufen diese Phasen schnell, andere langsam.
Eine der ersten Herausforderungen in den frühen Phasen einer Trennungskrise
besteht in der Erkenntnis, dass zwar die Beziehung beendet ist, nicht jedoch
das Leben.
Eine Trennungskrise wird Verhalten pathologisch, sobald man versucht, sie
zu unterdrücken oder durch Verleugnung oder verschiedene Arten von exzessivem,
wie z. B. Rauschgift- oder Alkoholmissbrauch.
Gelingt es nicht, den seelischen Schmerz zu erkennen und auszudrücken,
können sowohl die Psyche als auch die Fähigkeit, in Zukunft neue
Liebesbeziehungen aufzubauen, schweren Schaden nehmen.
Die Laufzeit einer Trennungskrise wird man nie vergessen, das Gelernte wird
sich als unschätzbare Hilfe bei der Gestaltung des gegenwärtigen
und zukünftigen Glücks erweisen.
Auch wenn es nicht offensichtlich ist, so ist man durch den Schmerz der Trennungskrise
reifer und an Erfahrungen reicher geworden.
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